TOP Ö 2: Starkregenrisikomanagement für das Gemeindegebiet Reichenbach
-Vorstellung der Ergebnisse

Beschluss: einstimmig beschlossen

1. Vom Sachvortrag wird zustimmend Kenntnis genommen.

 

 


Zu diesem Tagesordnungspunkt kann BM Richter Frau Jakobs und Herrn Wlokas vom Büro Wald und Korbe begrüßen.

 

BM Richter verweist auf die Einweihung des Hochwasserrückhaltebeckens im Reichenbachtal, bei dem Umweltminister Untersteller lobend erwähnt hat, dass die Gemeinde auch in das Thema Starkregenrisikomanagement eingestiegen ist.

 

Er informiert, dass die unterschiedlichen Szenarien untersucht wurden und die Gemeinde dann schauen muss, welche Erkenntnisse sie aus der Analyse zieht.

 

Frau Jakobs verweist darauf, dass man das Thema Hochwassergefahrenkarte von der Starkregengefahrenkarte unterscheiden muss.

 

Während beim Hochwasser Gewässer über das Ufer treten und entsprechende Teile ihres Einzugsgebiets unter Wasser setzen, stammen die Gefahren des Starkregens aus so konvektiven Niederschlägen bei Großniederschlagsmengen einer hohen Intensität, dass dabei überall Überflutungen auftreten können.

 

Sie erinnert daran, dass in den letzten Jahren in Baden-Württemberg Starkregenereignisse zu verzeichnen waren, die überall zufällig auftreten können. Sie zeigt Bilder des letzten Starkregenereignisses in Reichenbach aus dem Jahr 2018.

 

Inzwischen gibt es für das Starkregenrisikomanagement ein standardisiertes  und landesweit einheitliches Verfahren, das in einem Leitfaden im Dezember 2016 festgelegt wurde. Dieses Verfahren besteht aus drei Stufen. Im ersten Schritt erfolgt eine hydraulische Gefährdungsanalyse (Starkregengefahrenkarte); in der zweiten Phase erfolgt eine Risikoanalyse durch Risikobeschreibung und Erstellung entsprechender Steckbriefe und als abschließende Stufe wird ein Handlungskonzept erstellt.

 

Starkregenuntersuchungen, die nach dem Landesleitfaden erfolgen, werden vom Land zu 70 Prozent gefördert.

 

Frau Jakobs verweist darauf, dass ihr Büro derzeit 20 Einzugsgebiete im Hinblick auf Starkregenuntersuchungen bearbeitet und daher über eine große Kompetenz verfügt.

 

Für Reichenbach wurde das Untersuchungsgebiet 30 Quadratkilometer groß rund um Reichenbach definiert.

 

Aufgrund von Eingangsdaten wie Laserscan, Befliegungsdaten sowie Analysen für seltene, außergewöhnliche und extreme Regenereignisse werden hier dargestellt. Über ein hydraulisches Modell, das abflussrelevante Durchlassstrukturen und Fließhindernisse berücksichtigt, entstehen die Starkregengefahrenkarten für die drei formulierten Szenarien.

 

Sie erläutert konkret wie die Überflutungstiefen und Fließgeschwindigkeiten errechnet wurden und stellt im Anschluss die Bestandsanalyse sowie die Risikoabschätzungen dar.

 

Im Anschluss geht sie auf die Risikogebiete in Reichenbach ein, die geprüft wurde und stellt exemplarisch die Situation im Freibad, im Bereich Robert-Schöttle-Kita/Brühlhalle oder in der Reichenbachstraße vor.

 

Aufgrund der jeweiligen Risikoabschätzung erfolgt eine Überlegung zu baulichen Maßnahmen wie Umbau bestehender Rechen, Umgestaltung von Dämmen oder auch das Aufstellen von Hinweisschildern, z.B. im Bereich der Unterführung der B10.

 

Wichtig ist, dass sich die Bürger aufgrund der Starkregengefahrenkarte selbst informieren und entsprechende Maßnahmen zur Eigenvorsorge einleiten, z.B. bei Tiefgaragen in gefährdeten Objekten oder auch in Privathäusern der Einbau von Rückstauklappen.

 

BM Richter verweist darauf, dass problematische Bereiche oft auch in Bereichen an der Markungsgrenze zu verzeichnen sind, wo man in die Diskussion mit den angrenzenden Kommunen gehen muss oder auch mit anderen Behörden, wie z.B. den Forst mit den man schon mehrfach über Maßnahmen diskutiert hat.

 

Als Beispiele für interkommunale Themen nennt er die Risiken in der Heinrich-Otto-Straße sowie die Probleme im Einzugsgebiet des Hannestobelbachs. Er ist der Meinung, dass die Gemeinde schon sehr viel verbessert hat und auf dieser Basis für die Zukunft aufbauen kann.

 

GR Fohler freut sich, dass mit der vorliegenden Untersuchung der Antrag ihre Fraktion aus 2016 umgesetzt wurde. Unter dem Hinweis auf den Klimawandel ist sie der Meinung, dass Starkregen eine viel größere Problematik als Hochwasserereignisse darstellen.

 

Sie spricht das weitere Vorgehen mit den umliegenden Kommunen an und möchte wissen, ob es für die Bürger Förderprogramme gibt.

 

GR Hees spricht die Auswirkungen des neuen Rückhaltebeckens an und möchte wissen, welche Fördermöglichkeiten es für die Eigenvorsorge der Bürger gibt.

 

Auch GR Neher spricht die Weitergabe der Informationen an Private an und möchte wissen, ob die Brennpunkte bereits gesichert sind.

Außerdem befürchtet er, dass solche Starkregenereignisse immer häufiger zu verzeichnen sein werden.

 

GR Höger spricht die Auswirkungen von Maßnahmen an, die wieder an anderer Stelle Einfluss haben. Außerdem bittet er um Informationen, inwieweit die Bodenbeschaffenheit berücksichtigt wurde.

 

BM Richter betont, dass die Hochwassergefahrenkarte Bauverbot in Zonen, die als HQ100 ausgewiesen sind, nach sich zieht, während die Starkregenanalyse keine konkrete Auswirkung hat, was auch die Kommunikation erschwert.

 

Letztendlich ist jeder für sein Gebäude selbst verantwortlich. So gehört bei Bauanträgen das Überprüfen der Hochwassergefahrenkarte zur Grundlagenermittlung des Architekten.

 

Es ergeht der einstimmige

 

B e s c h l u s s :