Betreff
Nachrüstung der elektronischen Mess-, Steuer-, und Regeltechnik (EMSR) sowie Maschinentechnik (MT) an allen Regenüberlaufbecken
-Vorstellung der Entwurfsplanung
-Baubeschluss
Vorlage
2021/119
Aktenzeichen
701.43
Art
Beschlussvorlage

Allgemein

 

Abkürzungen:

 

RÜB                            Regenüberlaufbecken

EMSR                         Elektronische Mess,- Steuer,- und Regeltechnik

MT                              Maschinentechnik

MID                             Magnetisch induktiver Durchflussmesser

Ex-Schutz/Zone         Explosionsschutz / Zone

KEW Pumpe              Kellerentwässerungspumpe

Qs                               Schmutzwasserabfluss [l/s]

Qf                               Fremdwasserabfluss [l/s]

DA160                        Außendurchmesser 160 mm

DN250                        Innendurchmesser 250 mm

PLS                             Prozessleitsystem

 

Regenüberlaufbecken (RÜB) sind im Systemverbund der mischwassergeprägten Abwasserentsorgung, wie sie landesweit am häufigsten und auch in Reichenbach betrieben werden, ein elementarer Baustein. Diese zumeist vollständig unterirdisch angeordneten Ingenieurbauwerke erfüllen maßgeblich folgende Funktion:

 

Die bei Starkregen in der Kanalisation auftretenden hohen Abflussmengen können nicht vollständig an die Kläranlage zur Behandlung weitergegeben werden. Es erfolgt durch die über das Kanalnetz verteilten Regenüberlaufbecken eine Zwischenspeicherung (Pufferung) und bei Überschreiten der Speicherkapazitäten eine Entlastung in das nächstgelegene Fließgewässer. Somit wird zum einen die Funktionsfähigkeit der Kläranlage gewährleistet. Zum anderen werden Schmutzstoffe, die sich im Trockenwetterfall in der Kanalisation und an der Straßenoberfläche ablagert haben und durch den Regenstoß losgeschwemmt werden, ebenfalls zurückgehalten und zeitlich verzögert zur Kläranlage weitergegeben.  

 

Letzteres ist vor allem in Hinblick auf die europäische Wasserrahmenrichtlinie eine unerlässliche technische Vornahme, da hierdurch die Schmutzfrachten in die Gewässer reduziert werden und dadurch der Gewässerzustand signifikant verbessert wird

 

Rechtliche Anforderung

 

Im Juli 2018 veröffentlichte das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg den Erlass „Messen an RÜB“. Der Erlass sieht die Nachrüstung aller in Betrieb befindlichen Regenüberlaufbecken mit Messeinrichtungen zur Erfassung des Einstau- und Entlastungsverhaltens bis Ende 2024 vor.

 

Das Ingenieurbüro Holinger (Merklingen) wurde im vergangenen Juli deshalb beauftragt, eine entsprechende Entwurfsplanung zur Umsetzung dieser Messeinrichtungstechnik auszuarbeiten.

 

Abseits der o.g. gesetzgeberlichen Forderung dienen die hierbei möglich werdenden Messungen und deren Ergebnisse zu einer Reihe von Optimierungen und wichtigen Charakteristika des Abwassernetzes und tragen somit zur Schaffung einer nachhaltigen Siedlungswasserwirtschaft bei. So können beispielsweise Rückschlüsse auf fehlende oder überschüssige Rückhaltevolumina gezogen, das Entwässerungssystem auf die Kapazitäten der Kläranlage abgestimmt und mit Anbindung an ein zentrales Prozessleitsystem die gemessenen Daten zum effektiven Betrieb (Kontrolle & Beobachtung) genutzt werden.

 

Wegen bisher fehlender Technik wurden alle RÜB in Reichenbach im Zuge dieser Nachrüstung überplant:

 

·         RÜB 3 - Stuttgarter Straße (Baujahr 1983)

·         RÜB 5 - Katharinenstraße (Baujahr 2000, hier ist nur eine Teilerneuerung notwendig)

·         RÜB 8 - Schorndorfer Straße(Baujahr 1978)

·         RÜB 9 - Parkplatz Edeka Daiber (Baujahr 1989)

·         RÜB 12 – Alte Hegenloher Straße (Baujahr 1987)

 

Eine Ausnahme bildet hierbei das RÜB 5, welches bereits Fernwirktechnik besitzt. Aufgrund des Alters dieser Technik wurde allerdings auch hier eine Sanierung und partielle Nachrüstung forciert.

 

Lagebeschreibung der einzelnen RÜB

 

 

RÜB 3 – Stuttgarter Straße

 

 

Das RÜB 3 - Stuttgarter Straße wurde 1980 als Durchlaufbecken im Hauptschluss mit einem Nutzvolumen von rund 320 m³ gebaut und besteht aus einer längsdurchströmten rechteckigen Hauptkammer.

 

Vom Landratsamt Esslingen wurde am 20.07.2020 die wasserrechtliche Genehmigung für eine Drosselwassermenge (2 QS + QF) von 45 l/s und eine Entlastungswassermenge (max. Beckenüberlauf) von 1.117 l/s erteilt. Vorfluter im Entlastungsfall ist der Hannestobelbach, welcher in die Fils mündet.

 

RÜB 5 – Katharinenstraße

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das RÜB 5 – Katharinenstraße wurde 1999/2000 als Fangbecken im Nebenschluss mit einem

Nutzvolumen von rund 1.072 m³ gebaut. Vom Landratsamt Esslingen wurde die wasserrechtliche

Genehmigung am 20.04.1998 erstmalig erteilt und im Rahmen der Schmutzfrachtberechnung

am 20.07.2020 auf eine Drosselwassermenge (2 QS + QF) von 105 l/s und Entlastungswassermenge von 2.762 l/s neu festgesetzt. Vorfluter im Entlastungsfall ist die Fils.

 

RÜB 8 – Schorndorfer Straße

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das RÜB 8 – Schorndorfer Straße wurde 1977/1978 als Durchlaufbecken im Hauptschluss mit

einem Nutzvolumen von rund 200 m³ gebaut. Vom Landratsamt Esslingen wurde am

20.07.2020 die wasserrechtliche Genehmigung für eine Drosselwassermenge (2 QS + QF) von

22 l/s und Entlastungswassermenge von 1.192 l/s neu erteilt. Vorfluter im Entlastungsfall ist der

Reichenbach, welcher in die Fils mündet.

 

 

RÜB 9 – Edeka Daiber / Olgastraße

 

 

Das RÜB 9 – Edeka / Olga Straße wurde als Fangbecken im Nebenschluss mit einem Nutzvolumen von rund 530 m³ gebaut. Vom Landratsamt Esslingen wurde am 20.07.2020 die wasserrechtliche Genehmigung für eine Drosselwassermenge (2 QS + QF) von 61,70 l/s und Entlastungswassermenge von 2.596 l/s erteilt. Vorfluter im Entlastungsfall ist der Reichenbach, welcher in die Fils mündet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

RÜB 12 – Alte Hegenloher Straße

 

 

Das RÜB 12 – Alte Hegenloher Straße wurde als Fangbecken im Nebenschluss mit einem

Nutzvolumen von rund 272 m³ gebaut. Vom Landratsamt Esslingen wurde am 20.07.2020 die

wasserrechtliche Genehmigung für eine Drosselwassermenge (2 QS + QF) von 10,8 l/s und

Entlastungswassermenge von 576 l/s erteilt. Vorfluter im Entlastungsfall ist der Probstbach,

welcher in die Fils mündet.

 

 

Maßnahmenbeschreibung

 

Die grundsätzliche Nachrüstung der EMSR, MT und die bauwerkseitigen Maßnahmen an den o.g. Regenüberlaufbecken ähneln sich, mit Ausnahme des RÜB 5, weitgehend untereinander. Für die einzelnen Technikgewerke kann aufgrund des Umfangs daher eine gewisse Verallgemeinerung zu immer wiederkehrenden Maßnahmen der Nachrüstung getroffen werden:

 

EMSR Technik

 

Im Wesentlichen erfolgt die Erneuerung der kompletten Schaltanlagen und EMSR-Technik einschließlich Energieeinspeisung und Zählertafel, die Verkabelung und Elektroinstallationen jedes RÜB und die jeweilige Installation eines elektrischen Regelschiebers mit magnetisch induktiver Durchflussmessung (MID). Soweit sich die Installationstechnik (vorhandenen Kabelpritschen und Kabelwege) in einem einwandfreien Zustand befindet, werden diese übernommen. Notwendige neue Kabeltrassen werden in Feuchträumen und explosionsgeschützten Zonen (Ex-Zonen) mittels Kabelpritschen und Kabelschutzrohren aus Edelstahl, in trockenen und nicht explosionsgefährdeten Bereichen aus Kunststoff bzw. verzinktem Stahl hergestellt.

 

Im Einzelnen ist Folgendes vorgesehen:

 

·         Erneuerung der kompl. EnBW-Zähleranschlusssäule inkl. Erdsockel

·         Montage am jetzigen Standort, damit die EnBW Stromzuleitung unverändert auch zukünftig weiterverwendet werden kann

·         Erneuerung der Schaltschränke für die komplette EMSR-Technik inkl. Erdsockel

·         Schalt- und Steuereinheiten in den Schaltschränken für:

·         KEW-Pumpe,

·         Überflutungsmessung Drosselschacht,

·         Drosselschieber,

·         MID,

·         Radar-Füllstandmessung RÜB,

·         Elektroinstallation

·         Temperatur-/Feuchtemessungen

·         Ex-Strahler (Leuchten)

·         LED-Leuchten

·         Multifunktionsmessgerät zur Energieerfassung und Dokumentation

·         Automatisierungsgerät mit Bedienpanel

·         GPRS-Modem und Fernwirkkopplung

 

Für das RÜB 5 sind ferner Schalt- und Steuereinheiten in den Schaltschränken vorgesehen für:

 

·         Hebekran

·         Magnetventile und Strömungswächter für die Spülkippen 1 und 2

·         Ventilator im Pumpenkeller

·         Beckenentleerungspumpen mit FU und Trockenlaufschutz

·         Spülkippen Befüllpumpen

·         Elektro-Stellschieber für Spülkippe 1 und 2, inkl. Füllstandswächter

 

Maschinentechnik

 

Die bestehenden mechanischen Drosseln werden durch einen elektrischen Regelschieber mit vorgelagertem MID (DN 250) ersetzt. Für die erforderliche Einlauf- und Beruhigungsstrecke für

das MID,  wird der Drosselschacht entsprechend entfernt oder angepasst.

Durch die geschlossene Rohrführung entfällt dann die Ex-Schutzzone im Drosselschacht.

Neue Kellerentwässerungspumpen fördern über eine Druckleitung mit Rückflussverhinderer nach dem Regelschieber in die Ablaufleitung. Die Druckleitung wird mit einer Schleife über die  Rückstauebene geführt.

Die Drosselstreckeneinläufe erhalten  einen Absperrschieber, welcher mittels Spindelverlängerung

bis über die Geländeoberkante von außen bedient werden kann. Für die Einstiege in die Speicherkammern und die Drosselschächte sollen neue, den aktuellen Arbeitsschutzrichtlinien entsprechende Einstiegsleitern aus Edelstahl verbaut werden.

 

Bautechnik

 

Im Rahmen der Bautechnik werden vordergründig die bestehenden Drosselschächte dahingehend angepasst, dass die MID einwandfrei funktionieren können. Für das RÜB 3 und 8 werden dafür die Schächte komplett ausgetauscht. Bei RÜB 9 und 12 erfolgen hier Bauwerksanpassungen im Bestand. Des Weiteren werden Schachtabdeckungen, Schachteinstiegshilfen und Leerrohrsysteme erneuert und ausgetauscht.

 

Für das RÜB 5 sind keine bautechnischen Arbeiten vorgesehen.

 

Baukosten

 

Für alle o.g. Maßnahmen ergeben sich nach Kostenberechnung Baukosten in Höhe von

576.400,00 € (brutto) - diese teilen sich wie folgt auf:

 

 

 

 

Weiteres Vorgehen

 

Herr Meusel vom Ingenieurbüro Holinger wird die Entwurfsplanung in der Sitzung im Detail vorstellen und erläutern. Herr Lajdych wird hierbei vom GKW, welches seit 2020 die Betriebsführung der RÜB  in Reichenbach übernommen hat, fachlich unterstützen.

 

Aufgrund der hohen Investitionssumme sowie einer Vielzahl flankierender Projekte in der Abwasserentsorgung, wird die Maßnahme aufgeteilt und soll in den Jahren 2022 und 2023 umgesetzt werden. Für die gesetzliche Nachrüstungspflicht bis zum Jahr 2024 wird damit auch ein Puffer vorgesehen.

 

Nach Beschlussfassung durch das Gremium werden im Anschluss die weiteren Planungsschritte für die Ausschreibung der Arbeiten und Lieferleistungen eingeleitet – diese ist für das 1. Quartal 2022 anvisiert.

 

 

 

Priorität C: Zuständiger Sachbearbeiter handelt eigenverantwortlich und stimmt die Schritte mit dem jeweiligen Amtsleiter ab. Der Amtsleiter entscheidet, ob eine Information an den Bürgermeister, die Gemeinderäte und die Bürgerinnen und Bürger weitergegeben werden muss.

 

1.    Von der Sachdarstellung wird Kenntnis genommen.

 

2.    Auf Grundlage der von Holinger Ingenieure ausgearbeiteten Entwurfsplanung sollen die erforderlichen Arbeiten und Lieferleistungen zur Nachrüstung der elektronischen Mess-, Steuer,- und Regeltechnik sowie der Maschinentechnik ausgeschrieben werden.

 

Finanzielle Auswirkungen:                Ja                                   Nein

 

Eigenbetrieb Abwasserentsorgung                           Investitionsmaßnahme: Fernwirktechnik RÜBs

     

 

 

Ausgaben in €

lfd. Jahr

Folgejahr(e)

Einnahmen in €

lfd. Jahr

Folgejahr(e)

Planansatz

 

75.000 €

550.000 €

 

 

 

üpl / apl

 

     

     

 

 

 

Gesamt

 

     

576.400 €

 

 

 

 

 

Auswirkungen auf das Klima:           Ja                                   Nein

 

 +2                      +1                       0                         -1                          -2

 

Begründung:

Regenüberlaufbecken sind in der kommunalen Wasserwirtschaft unerlässlicher Baustein zur Verbesserung der Gewährleistung eines umweltschonenden Wasserhaushalts. Durch die erforderlichen Arbeiten in den Bauwerken zum Anbringen und Verlegen der Technik sowie an den Bauwerken selbst, lassen sich Fahrwege von Baustellenfahrzeugen, der Bedarf an Baustoffen, als auch anfallende, zu deponierende Reststoffe, nicht vermeiden.